zuFlucht(s)OrteEin Projekt der Mittelschule am Winthirplatz
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„Zufluchtsort“ Mittelschule am Winthirplatz:
Bildung für Frieden = Friedensbildung!
In einer Übergangsklasse 9 sitzen Achmed, Achad und Farid aus Afghanistan im Sachunterricht und sprechen über Demokratie. Noch vor zwei Jahren wäre das undenkbar gewesen, da gab es in ihrem zerstörten Land keinen Unterricht für sie. Doch jetzt können sie in die Schule am Winthirplatz gehen und bekommen damit eine Chance auf ein besseres und friedlicheres Leben.

Das ist möglich, weil an der Mittelschule am Winthirplatz für Schüler, die erst seit kurzem aus dem Ausland nach Deutschland eingereist sind, besondere Übergangs-Klassen eingerichtet sind, die Kindern und Jugendlichen den Start in ein neues Leben und tragfähige Zukunftsaussichten ermöglichen. Hier lernen die Kinder nicht nur die deutsche Sprache, sondern sie begegnen auch den Kulturen, Geschichte und Literatur, Musik und Kunst. Die Klassen sind mit Computern ausgestattet, es gibt eine Lernwerkstatt und vielfältige Kulturangebote für Theater, Musik und Malerei.

Wenn wir heute auf über hundert Jahre Schulgeschichte am Winthirplatz zurückblicken, dann dürfen wir die Weltgeschichte nicht ausblenden. Die schweren Zeiten zweier Weltkriege, des Kalten Krieges, des Jugoslawien-Konflikts, der Golfkriege und der aktuellen Krisen in Osteuropa, im vorderen Orient und Afrika hindurch war die Schule nicht nur Lernort, sondern auch Zuhause und Schutz. Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Kriegserfahrungen – bedroht, verletzt, vertrieben und traumatisiert – fanden und finden hier eine geordnete Lernatmosphäre, Geborgenheit und Freude.

Frieden ist nichts Statisches. Frieden muss vielfältig initiiert werden, muss sich entwickeln und fest verwurzeln können, damit er eine zuverlässige Größe ist für ein angstfreies und motiviertes Lernen.
Frieden bedeutet Arbeit. Bildungsarbeit. Bildung schafft Frieden. Nichts anderes sonst schafft Frieden. Keine Waffen. Kein Geld. Keine Angst.

Die Schulen haben den Auftrag, lebensnah Wissen und Werte zu vermitteln, damit die nachfolgende Generation das notwendige Rüstzeug erhält, Verantwortung zu übernehmen in einer friedfertigen demokratischen Gesellschaft. Über 300 Schülerinnen und Schüler aus 42 Nationen kommen täglich zur Schule am Winthirplatz, mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Wurzeln und Talenten. Indem wir mit den Kindern zusammen lernen, lachen und spielen, ihre Kulturen respektieren und Begegnung ermöglichen, zeigen wir, dass schon jetzt Frieden zwischen Menschen und Völkern möglich ist.

Nur über eine differenzierte und individualisierende Bildung, die eine geistige Öffnung für unterschiedliche Weltsichten verstehbar macht, können wir den Boden für eine friedliche und nachhaltige Zukunft bereiten. Denn nur wer Menschenrechte und internationale Wissensstandards teilt, hat auch Zugang zu weltweiten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und zu der Vielfalt von Kunst und Kultur. Nur wer mehrdimensionales Wissen besitzt und vermag, über den Tellerrand zu blicken, kann sein Land nach außen öffnen und im Innern vereinen.

Mein besonderer und aufrichtiger Dank gebührt den Lehrerinnen und Lehrern, den Fachkräften und Referenten, den Eltern, Paten und Unterstützern, die mit ihrem tatkräftigen Engagement zur Verwirklichung dieser kostbaren Ziele und Werte beitragen. In diesem Sinne wünsche ich der Schulfamilie noch viele Jahre ein friedfertiges und konstruktives Miteinander.

Thomas Häns, R
Schulleiter der Mittelschule
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